Kanada / Südafrika, 2003
Regie: John Greyson
Darsteller: Rouxnet Brown, Shaun Smyth uva.
*umpf* Was war DAS??? – Was John Greyson, der immerhin einige Folgen von „Queer as Folk“ und den zwar ebenfalls gewöhnungsbedürftigen, aber schönen Film „Lilies“ lieferte, vor vier Jahren drehte, macht es selbst dem enthusiastischsten Sympathisanten schwer, etwas Gutes an dem Film „Proteus“ zu finden.
Diese Liebesgeschichte (???) soll 17hundertirgendwas in Südafrika spielen. – Schön… da fuhren die also mit Autos durch die Gegend, hatten bereits die Plastiktüte, Kühltaschen und Radios erfunden, und trugen zusammengewürftelte Kostüme und Perücken aus dem Fundus eines Provinztheaters? – Wahrscheinlich wurde versucht, aus der Not (geringes Budget) eine Tugend („künstlerisches Element“) zu machen. Funktioniert aber nicht. Wirkt einfach nur deplaziert und lächerlich.
Könnte man vielleicht auch noch als künstlerisches Ausdrucksmittel interpretieren, um Parallelen zum Südafrika der Gegenwart zu zeigen. Funktioniert aber ebenfalls nicht so recht, weil im Jahre 2003 bereits Nelson Mandela Präsident von Südafrika war.
Da wird also ein junger Eingeborener zu 10 Jahren Zwangsarbeit auf Seal-Island (der Insel, auf der auch Nelson Mandela inhaftiert war) verurteilt, weil er Rinder gestohlen hat, die eigentlich seiner Familie sowieso gehörten, aber von weißen Siedlern annektiert wurden. Im Gefängnis lernt er einen holländischen Matrosen kennen, der wegen Sodomie inhaftiert ist. – Nun soll sich da also eine Liebesbeziehung zwischen den beiden entwickeln. Zumindest steht das wohl so im Drehbuch… Wäre schön gewesen, wenn die Schauspieler das auch rübergebracht hätten. Da waren Ledger/Gyllenhaal als Liebespaar ja noch glaubhafter!
Auch ein englischer Botaniker hat ein Auge auf den Schwarzen geworfen. – Sehr verwunderlich, daß alle hinter dem her sind, denn ehrlich: Der ist häßlich wie die Nacht! – Als das Liebespaar von Mitinsassen verpfiffen wird, kommt es zu einem Prozeß (auf diese wahren Prozeßakten soll der Film basieren). Obwohl der Botaniker noch versucht, positiv für den Schwarzen auszusagen, wird letztendlich das Pärchen zum Tode verurteilt.
Viele der Figuren sind günstigstenfalls überflüssig, schlechtestenfalls einfach nur nervtötend. Was sollte beispielsweise der tuntige Assistent des Botanikers? Als der in Holland mit der Garrotte hingerichtet wird, möchte man schon beinahe Beifall klatschen, daß er endlich aus’m Film ist.
Die Inhaltsbeschreibung darf nicht täuschen: Die Geschichte hätte tatsächlich einen schönen, guten, ergreifenden Film abgeben können. Es hätte über Homophobie im 18. Jahrhundert, über Apartheid, über Liebe, Romantik gehen können. Aber dazu hätte es die richtigen Mittel, gute Schauspieler, weniger schlechte Verkünstelung und vor allem eine gute Kamera gebraucht mit stimmungsvolleren Bildern. – Letzteres störte eigentlich am meisten: Der Film wirkt wie mit der billigsten Digi-Cam gefilmt; wie ein Billig-Porno ohne Sex.
Das geringste Übel ist noch der Sprachenmischmasch aus Englisch, Afrikaans, Holländisch, Zulu und „Buschmännisch“ (keine Ahnung, wie deren Sprache heißt), weswegen es den Film als logische Konsequenz nur mit Untertiteln gibt.
Ich kann jedenfalls nur abraten. Wer sich dennoch nicht abschrecken läßt, hier bitte: Proteus – Meine Liebe ist deine Freiheit (OmU)
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