USA, 1971
Regie, Schnitt etc.: Anonymous (James Bidgood)
Darsteller: Bobby Kendall u.a.
Nackte Männer. Schöne Männer. Wichsende Männer. Farben. Schwänze. Große Schwänze. Schöne Schwänze. Erigierte Schwänze. Ejakulierende Schwänze. Farben. Erotische Phantasien. Fetische. Sex. Und Farben. Klassische Musik. Chansons. Jazz. Kakophonien. Und dazu Farben. Tücher. Fließende Stoffe. Schmetterlinge. Symbolismus. In Farbe. Nackt. Unschuldig. Erotisch. Geil. Und FARBEN!
„Pink Narcissus“ ist wie der Besuch einer Pop-Art Ausstellung. Man taucht ein in eine psychedelische Farborgie. Kitsch as Kitsch can. Und man ist überwältigt von der Schönheit Bobby Kendalls, der sich als Hauptdarsteller seinen erotischen Phantasien hingibt: Narziß, Pan, Torrero, römischer Sklave…
„Pink Narcissus“ ist Kult. „Pink Narcissus“ ist Kunst. Kitschige Kunst, sicherlich. Aber dennoch. Und „Pink Narcissus“ war Vorbild für andere Künstler wie Pierre & Gilles. Lange Zeit wurde der Film Andy Warhol zugeschrieben, nachdem als Regisseur usw. nur „Anonymous“ genannt wurde. Erst Mitte der 90er Jahre machte sich der Autor Bruce Benderson auf die Spurensuche und fand heraus, daß der Film dem Künstler und Fotografen James Bidgood zuzuschreiben ist.
Anfang der 60er Jahre hat Bidgood den Straßenjungen Bobby Kendall bei sich aufgenommen. Über mehrere Jahre (1963-1970) hat Bidgood in seinem Wohnzimmer an diesem Film gedreht. Mit dem Film hat er die Schönheit des männlichen Körpers im allgemeinen und die atemberaubende Schönheit Bobby Kendalls im besonderen zelebriert. Dabei hielt Bobby Kendall sich selbst angeblich nie für besonders attraktiv.
Wer hinter dem vermeintlichen Pseudonym Bobby Kendall steht, ist nicht bekannt. Angeblich lebt er noch heute in einem kleinen Apartment in New York. Aber wahrscheinlich ist es auch gut, daß man ihn nicht altern gesehen hat. Trägt das doch zu dem Mythos dieses Narziss bei.
„Pink Narcissus“ ist sicherlich kein Unterhaltungsfilm. Und ich gehe davon aus, daß viele überhaupt nichts damit anfangen können. Aber wer an Kunst im allgemeinen interessiert ist, an Pop-Art im besonderen und an schwulem Kitsch im speziellen, der muß dieses Film kennen. Wobei die DVD eigentlich nicht zu empfehlen ist. Denn zum einen wirkt der Film auf dem kleinen TV-Bildschirm nicht besonders, zum anderen bietet die DVD auch nicht viele Extras (außer den üblichen Trailern und dem Kurzfilm „Fontvella’s Box“). Mehr Hintergrundinformationen wären hier wünschenswert gewesen. Also am besten abwarten, bis er mal wieder in einem Kino gezeigt wird. Dann kann man den Farbenrausch auch würdigen.
„Pink Narcissus“ ist aber auch sehr erotisch. Wird doch mit männlichen Reizen und sexuellen Phantasien nicht gegeizt. Die FSK 16 ist hier doch erstaunlich. Nicht umsonst erreichte der Film seinen Kultstatus hauptsächlich in Pornokinos. Die Szenarien erinnern teilweise Bob Mizers Kurzfilme. Sicherlich Geschmackssache, aber ich fand sie sehr erotisch. Vor allem der nackte Bauchtänzer im schwulen Harem hatte es mir angetan. Und natürlich auch der römische Sklave…
1999 wurde er als Kunstwerk ins Museum of Modern Art aufgenommen und hat damit als kitschy glitz endlich seinen verdienten Stellenwert erhalten.
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