Boys Grammar

boys-grammar.jpgBoys Grammar

Aus, 2005
Regie: Dean Francis

Trailer

Gareth ist Schüler an einer elitären Privatschule in Australien. Offensichtlich ist er in seinen Mitschüler Nick verliebt. Der sendet entsprechende Signale, daß er die Gefühle erwidert. Aber als er beim Umkleiden nach dem gemeinsamen Schwimmen in Gareth’ Sachen einen Bildband mit nackten Männern findet, entlarvt er ihn als Schwulen und stachelt seine Kumpels auf. Zu fünft vergewaltigen sie gemeinsam Gareth mit einem Holzdildo. Gareth will von der Schule abgehen, doch sein Vater – nach dem Motto „Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker!“ – besteht darauf, daß er auf der Schule bleibt und eben solche „Lektionen fürs Leben“ lernt. Zu allem Überfluss lädt er auch noch Nick zum Abendessen ein. Schließlich geht Gareth auf Nick los, verprügelt ihn und dann liegen sie sich in den Armen…

Hm, ein sehr verwirrender und verstörender Film. Mein erster Gedanke war „Hä?!?“. Mein zweiter Gedanke: „What the fuck???“ – Aber nach nochmaliger Betrachtung und ein bißchen Recherche über die Hintergründe, bekommt der knapp 8-minütige Kurzfilm doch einen Sinn. – Er beruht auf einer wahren Begebenheit; eigentlich wahrscheinlich auf vielen wahren Begebenheiten, aber einer ganz besonders: In der Trinity Grammar School in New South Wales wurde vor einiger Zeit ein Fall bekannt, bei dem 10 Schüler einen Mitschüler terrorisierten und mit einem großen hölzernen Dildo, den sie im Werkunterricht extra für diesen Zweck angefertigt hatten, mehrfach vergewaltigten. Obwohl Lehrer Bescheid wußten, wurde nichts dagegen unternommen. Erst auf Druck der Medien wurden drei der Täter von der Schule geworfen und die Schule auf Wiedergutmachung verklagt.

So wie in diesem Fall werden tagtäglich Schüler an solchen Privatschulen drangsaliert, sexuell bedrängt und vergewaltigt. Von Lehrern und Eltern – die oft selbst Schüler solcher Schulen waren – wird dies stillschweigend geduldet. So steigert sich nach der Vergewaltigung die Brutalität des Films noch durch die Ignoranz und Gefühllosigkeit des Vaters, der die Gewalt gegen seinen eigenen Sohn als wichtigen Schritt zum Erwachsenwerden hinnimmt, wenn nicht gar unterstützt. Er hat eigentlich kein Problem mit der Homosexualität seines Sohnes, sondern eher mit der Furcht, der Junge könnte verweichlicht sein. Männliche Sexualität darf sich nur in Aggression und Gewalt ausdrücken. Und so wird letztendlich auch toleriert, daß der Sohn schließlich auf seinen Vergewaltiger einprügelt und die Szene dann in einer tröstenden, liebevollen bis sinnlichen Umarmung zwischen Täter und Opfer endet. Wobei die Frage offen gelassen wird, ob damit der Kreislauf der Aggressivität durchbrochen wird oder ob Gareth letztendlich in den (aggressiven) Kreis der „Erwachsenen“ aufgenommen ist.

Jedenfalls sind es acht Minuten Film, die noch einige Stunden zum Nachdenken anregen!

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