The Graffiti-Artist

graffiti-artist.jpgThe Graffity-Artist (OmU)

USA, 2004
Regie: James Bolton
Darsteller: Ruben Bansie-Snellman u.a.

Um was geht’s? Schwer zu sagen… oder einfach: Alle Wände beschmieren, kiffen, klauen, Wände beschmieren, kiffen, zwischendurch mal schnell ein bißchen Petting unter Kumpels, und dann zur Abwechslung mal wieder Wände beschmieren, kiffen und klauen. Dazu die immer gleiche Musik.Keine Ahnung, was dieser Film aussagen wollte. Wenn man ihn dann doch mal hat, ist doppelte Abspielgeschwindigkeit am DVD-Player wieder mal eine durchaus sinnvolle Erfindung. Dann wird etwas schneller geschmiert, gekifft und geklaut. Gesprochen werden im ganzen Film sowieso maximal 10 Sätze.

Jeder hat von dem Film abgeraten. Aber ich hatte gehofft, wenigstens ein paar gute Graffiti-Werke zu sehen. Schließlich gibt es tatsächlich einige wirklich gute Graffit-Künstler. Aber seinen „Künstler“-Namen an jede freie Stelle in der Stadt zu sprühen, hat mit Kunst nun wahrlich nichts zu tun. Der Filmtitel ist die reinste Mogelpackung.

Man kann nur eins sagen: Finger weg!


No one sleeps

no-one-sleeps.jpgNo one sleeps

Deutschland, 2000

Regie: Jochen Hick

Darsteller: Tom Wlaschiha u.a.

„Nessun dorma“ – „Niemand schlafe!“ – Oder auch „No one sleeps“. Meinetwegen. So ’ne schöne Arie aus „Turandot“. Pavarottis Paradestück. Und diese Arie hat sich der Film als Grundthema genommen… und wird zu Tode geträllert. Grauslich!Die Story ist einfach nur hahnebüchen: Ein junger, deutscher, schwuler Medizinstudent ist auf den Spuren einer Verschwörung. In den 80er Jahren hätten amerikanische Wissenschaftler (mit Hilfe seines Vaters) bei der Forschung nach biologischen Kampfstoffen das Aids-Virus entwickelt und an Gefängnis-Insassen getestet. Von dort aus hätte es sich über den ganzen Planeten verbreitet.

Der junge Mann reist nach San Francisco, um Beweise zu suchen. Aber ein Serienmörder ist ihm immer einen Schritt voraus und bringt die Infizierten um. Nebenbei wird auch noch die Handlung von „Turandot“ mit eingeflochten, also die Geschichte des Prinzen, der drei Rätsel zu lösen hat. – Sehr subtil… *räusper*

Für gute Schauspieler hat das Budget nicht gereicht. Das ging vermutlich für den Flug nach San Francisco drauf. Warum man dann nicht wenigstens aus dieser Stadt das Beste mitgenommen hat, ist unerklärlich. San Francisco hätte sicherlich sehr viele schöne Ecken zu bieten, aber dargestellt wird’s wie der Hinterhof von Wanne-Eikel.

Und warum dann auch noch alles auf gebrochenem, schlechten Englisch gedreht wurde, ist auch nicht zu verstehen. Hat sich da vielleicht jemand der Hoffnung hingegeben, daß der Film ein internationaler Erfolg werden könnte?

Der Plot an sich hätte vielleicht unter Hollywood-Bedingungen einen guten Film abgegeben (wobei die Verschwörungstheorie immer noch hahnebüchen bleibt), aber das hier war ein einziger Mist. Lediglich Tom Wlaschiha ist recht nett anzusehen und versucht sein Bestes, auf Englisch zu agieren.

Muß man sich jedenfalls nicht antun.
No One Sleeps (OmU)

Sommersturm

sommersturm.jpg Sommersturm

Deutschland, 2004
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: Robert Stadlober, Kostja Ullmann u.a.

Trailer

Tobi und Achim sind beste Freunde und die Stars in ihrem bayerischen Jugend-Ruderclub. Nichts kann ihre Freundschaft erschüttern – so scheint es. Das ändert sich, als sie zu einem Trainingscamp fahren und sich die Beziehung zwischen Achim und seiner ersten Freundin intensiviert. Und Tobi hegt mehr als nur freundschaftliche Gefühle für seinen Kumpel. Als dann auch noch der schwule Ruderclub „Queerschlag“ im Camp eintrifft, geht’s richtig schön durcheinander…

Eine Coming-Out-Geschichte, wie jeder Schwule sie kennt. Aus eigener Erfahrung. Also nichts Neues eigentlich. Aber genau das macht den Reiz des Films aus! In fast jeder Szene denkt man „Ja, genau so war’s!“ – Eineinhalb Stunden in Jugenderinnerungen schwelgen. – Dazu teilweise sehr witzig. Manchmal erotisch. Manchmal etwas traurig. Trotz ihrer jungen Jahre gute Schauspieler. Und vor allem ein sehr guter Soundtrack.

Gehört in jede schwule DVD-Sammlung! Aber auch für Heteros ein schöner, kurzweiliger und interessanter Film.
Sommersturm

Walking on Water

walking-on-water.jpgWalking on Water (OmU)

Australien, 2002
Regie: Tony Ayres
Darsteller: Vince Colosimo, Maria Theodorakis, Nathaniel Dean uva.

Und wieder ein hochgelobter Film, der viele (schwule) Film-Preise abgestaubt hat, u.a. den Teddy-Award. Und wieder einmal kann ich es nicht so ganz nachvollziehen. Ist denn die Auswahl an schwulen Filmen wirklich so gering, daß man jeden mit etwas Anspruch gleich mit Preisen überschütten muß?

Er fängt eigentlich vielversprechend an: Gavin, Charlie und Anna leben gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Gavin hat Aids im Endstadium. Seine Mitbewohner mußten ihm versprechen, ihm einen „würdigen“ Tod zu bereiten. Also kommt Gavins Familie angereist (niedlich: der heterosexuelle Bruder) und versammelt sich um das Sterbebett, während ein ’spezieller‘ Arzt ihm eine Überdosis Morphium verabreicht. Und dann noch eine… und noch eine… Sterben ist anscheinend nicht so einfach; die Sterbeszene zieht sich mindestens 10 Minuten hin, bis schließlich Charlie mit einer Plastiktüte über Gavins Gesicht kurzen Prozeß macht. — Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob der makabre Humor, der sich einem in dieser Szene aufdrängt, wirklich beabsichtigt war.
Tja, danach ist Beerdigung…. und dann sind auch schon 3/4 des Films vorbei. Gibt natürlich noch Schuldgefühle bei Charlie und ein Verhältnis zwischen der kontrollzwangbehafteten Anna und dem geilen Bruder. Ganz nett auch, wenn der Behälter mit Gavins Asche ins Meer fällt und anschließend in der Mikrowelle getrocknet wird. Aber ansonsten…

Nicht unbedingt schlecht, aber einer dieser Filme, bei denen man immer darauf wartet, daß er endlich richtig anfängt. Und plötzlich ist er auch schon zu Ende. Sehr „authentisch“, aber eben auch entsprechend deprimierend. Sehr gute schauspielerische Leistung; da kann man nicht meckern. Aber mir persönlich zu „unbequem“ und anstrengend. Muß ich mir kein zweites Mal antun.
Walking on Water (OmU)

Shortbus

shortbus.jpg

Shortbus

USA/Kanada 2006
Regie: John Cameron Mitchell
Darsteller: Sook Yin-Li, Paul Dawson, PJ DeBoy uva.
Trailer

In „Shortbus“ geht es um das (Sex-)Leben verschiedener New Yorker. Da ist das schwule Pärchen James und Jamie, bei denen James heimlich einen Nachfolger für seinen Liebsten sucht, weil er sich umbringen will. Die Sextherapeutin Sofia, die mit ihrem Mann alle Stellungen des Kamasutra ausprobiert, aber noch nie einen Orgasmus hatte. Die beziehungsunfähige Domina Severin. Ein junger Typ, der mit den beiden J.s anbandelt. Und und und… Sie alle treffen sich in dem New Yorker Club „Shortbus“, einer Mischung aus Cabaret und Swinger-Club.

Nicht nur, daß der Film hocherotisch ist und oftmals an der Grenze zur Pornographie lustwandelt. Er ist auch ungeheuer witzig! Ich habe bei teilweise Tränen gelacht. {Hat denn schon mal jemand versucht, beim Rimmen die Nationalhymne zu singen (als Rimmer; nicht als Gerimmter!)?} Und im nächsten Moment wird er wieder extrem rührend.

Ein großes Lob an die Schauspieler, denn die Sexszenen sind alle echt. Um es den Schauspielern in der Orgienszene leichter zu machen, haben sich übrigens auch der Regisseur, Kameraleute und sonstige Filmcrew nackt ausgezogen. Na, das nenne ich Engagement!

Wer Sinn hat für Humor und Sinnlichkeit, nicht in konservativen Moralvorstellungen gefangen ist, der wird an diesem Film auf jeden Fall seine Freude haben. Also Kaufbefehl: Shortbus (+Soundtrack-CD im Steelbook)

Wild Side

wild-side.jpgWild Side (OmU)

Frankreich 2004
Regie: Sebastien LifshitzDarsteller: Stephanie Michelini, Edouard Nikitini, Yasemine Belmadi

Trailer

Wieder einer dieser Filme, bei denen ich mich frage, ob ich nicht vielleicht doch einen anderen gesehen habe? Von der Kritik hoch gelobt und etliche Preise eingeheimst. Und doch: Ich konnte ihm beim besten Willen nichts abgewinnen. Nur mit der Fernbedienung in der Hand und dem Finger auf dem Vorspulknopf zu ertragen!

Dabei stören die Untertitel noch am wenigsten. Da einer der Akteure Russe ist und kein Französisch kann, spricht der meist Russisch und unterhält sich mit den Franzosen in grauenvollem Englisch. – Eine Synchronisation wäre also eh kaum machbar oder sinnvoll.

Ich würde gerne die Handlung nacherzählen, aber es gibt so gut wie keine. – Die Transsexuelle Stephanie arbeitet als Prostituierte. Als sie erfährt, daß ihre Mutter im Sterben liegt, kehrt sie zurück in die französische Provinz. Mit dabei: Der Gelegenheitsstricher Djamel und ihr Liebhaber, der Russe Mikhail. Dort in der Provinz werden in Rückblenden die drei Hauptfiguren charakterisiert.

Tja, und mehr gibt’s nicht zu sehen. Zwar teilweise schöne Bilder – aber fünf Minuten lang das gleiche Bild zu sehen, wird dann irgendwann auch langweilig, auch wenn es noch so schön sein mag. Und ansonsten verbreitet der Film solch eine triste Melancholie, daß man sich gern Suizidgedanken hingeben möchte. Oder doch lieber wieder auf den Vorspulknopf drückt! Quälend lange Kameraeinstellungen, in denen überhaupt nichts passiert. Mag sein, daß dem einen oder anderen Zuschauer das gefällt. Mir nicht. Also: Vorspulknopf!

So habe ich es letztendlich geschafft, den Film auf 30 Minuten zu verkürzen. Und dennoch empfand ich eine halbe Stunde meines Lebens als verschwendet. Wer denkt, er wäre empfänglicher für tristes, ‚poetisches‘ Kino, soll sich aber nicht abhalten lassen, die DVD zu bestellen. Immerhin gibt’s darauf noch etliche entfallene Szenen in den Extras zu sehen, die den masochistischen Genuß noch verlängern: Wild Side (OmU)

Félix

felix.jpgDrôle de Félix

Frankreich, 2000
Regie: Olivier Ducastel, Jacques Martineau
Darsteller: Sami Bouajila

Felix ist Halb-Nordafrikaner, lebt in Dieppe, ist schwul, HIV+, seine Mutter ist gerade gestorben und er hat seinen Job verloren. Also tolle Aussichten!

Aber er hat ein freundliches Wesen und jeder mag ihn.

Als er die Habseligkeiten seiner Mutter zusammenpackt, findet er neben einem Bündel voller Geld auch Briefe seines Vaters, den er nie kennengelernt hat. Also macht Felix sich zu Fuß und per Anhalter auf den Weg nach Marseilles, um ihn zu finden. Auf dem Weg findet er seine (Wahl-)Familie: einen kleinen Bruder, eine große Schwester, eine Großmutter, Cousin und einen Wahl-Vater.

Autorenkino. Ein Episodenfilm. Kein sonderlich aufregender Film. Ein bißchen Erotik. Gute Musik (wer Chansons und nordafrikanische Musik mag; und das tue ich). Ein sympathischer Hauptdarsteller. – Aber das war’s auch schon. Was uns dieser Film sagen wollte, blieb zumindest mir weitgehend verschlossen.

Muß man nicht gesehen haben. Aber wer trotzdem will, bitte schön: Felix