Sommer wie Winter

sommer-wie-winter.jpgPresque rien

Frankreich, 2000
Regie: Sébastien Lifshitz
Darsteller: Jeremie Elkaim, Stephane Rideau u.a.

Der 18-jährige Mathieu verbringt seinen Sommerurlaub in der Bretagne. Dort verliebt er sich in Cedric. Für Mathieu bedeutet das sein Coming-Out.

Die beiden ziehen zusammen, aber es geht nicht lange gut. Später haben die beiden sich – ohne genauere Angaben von Gründen – getrennt, und Mathieu unternimmt einen Selbstmordversuch. Bekommt eine kurze Therapie. Reist im Winter zurück zum verlassenen Urlaubsort. Versucht Erinnerungen wiederzubeleben…

Zumindest ist das die Geschichte, soweit ich sie verstanden habe. Denn der Film springt in kurzen, abgehackten, unzusammenhängenden Szenen zwischen den verschiedenen Zeitzonen hin und her. Alles sehr verwirrend, wogegen ich im Prinzip nichts habe, wenn sich am Ende wenigstens das Puzzle auflösen würde

Insgesamt war „Sommer wie Winter“ eher eine Enttäuschung. Vor allem, nachdem bei Amazon einige Rezensenten hin und weg waren. Aber ich fand ihn nur etwas besser als Lifshitz‘ entsetzlichen „Wild Side“.

Wahrscheinlich müßte man sich den Film ein zweites Mal ansehen, um ihn zu verstehen, aber dazu fehlt mir ehrlich gesagt der Nerv. Viel zu viel Seele und Tiefe. Da möchte man dann gern zu einem Röhrchen Schlaftabletten greifen.

Aber immerhin: Angenehme Jungschauspieler, die mit ihren Reizen nicht geizen. Freizügige Sexszenen. Und eine wirklich süße Katze!

Sommer wie Winter …

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Proteus – Mein Liebe ist Deine Freiheit

proteus.jpgProteus (OmU)

Kanada / Südafrika, 2003
Regie: John Greyson
Darsteller: Rouxnet Brown, Shaun Smyth uva.

*umpf* Was war DAS??? – Was John Greyson, der immerhin einige Folgen von „Queer as Folk“ und den zwar ebenfalls gewöhnungsbedürftigen, aber schönen Film „Lilies“ lieferte, vor vier Jahren drehte, macht es selbst dem enthusiastischsten Sympathisanten schwer, etwas Gutes an dem Film „Proteus“ zu finden.

Diese Liebesgeschichte (???) soll 17hundertirgendwas in Südafrika spielen. – Schön… da fuhren die also mit Autos durch die Gegend, hatten bereits die Plastiktüte, Kühltaschen und Radios erfunden, und trugen zusammengewürftelte Kostüme und Perücken aus dem Fundus eines Provinztheaters? – Wahrscheinlich wurde versucht, aus der Not (geringes Budget) eine Tugend („künstlerisches Element“) zu machen. Funktioniert aber nicht. Wirkt einfach nur deplaziert und lächerlich.

Könnte man vielleicht auch noch als künstlerisches Ausdrucksmittel interpretieren, um Parallelen zum Südafrika der Gegenwart zu zeigen. Funktioniert aber ebenfalls nicht so recht, weil im Jahre 2003 bereits Nelson Mandela Präsident von Südafrika war.

Da wird also ein junger Eingeborener zu 10 Jahren Zwangsarbeit auf Seal-Island (der Insel, auf der auch Nelson Mandela inhaftiert war) verurteilt, weil er Rinder gestohlen hat, die eigentlich seiner Familie sowieso gehörten, aber von weißen Siedlern annektiert wurden. Im Gefängnis lernt er einen holländischen Matrosen kennen, der wegen Sodomie inhaftiert ist. – Nun soll sich da also eine Liebesbeziehung zwischen den beiden entwickeln. Zumindest steht das wohl so im Drehbuch… Wäre schön gewesen, wenn die Schauspieler das auch rübergebracht hätten. Da waren Ledger/Gyllenhaal als Liebespaar ja noch glaubhafter!

Auch ein englischer Botaniker hat ein Auge auf den Schwarzen geworfen. – Sehr verwunderlich, daß alle hinter dem her sind, denn ehrlich: Der ist häßlich wie die Nacht! – Als das Liebespaar von Mitinsassen verpfiffen wird, kommt es zu einem Prozeß (auf diese wahren Prozeßakten soll der Film basieren). Obwohl der Botaniker noch versucht, positiv für den Schwarzen auszusagen, wird letztendlich das Pärchen zum Tode verurteilt.

Viele der Figuren sind günstigstenfalls überflüssig, schlechtestenfalls einfach nur nervtötend. Was sollte beispielsweise der tuntige Assistent des Botanikers? Als der in Holland mit der Garrotte hingerichtet wird, möchte man schon beinahe Beifall klatschen, daß er endlich aus’m Film ist.

Die Inhaltsbeschreibung darf nicht täuschen: Die Geschichte hätte tatsächlich einen schönen, guten, ergreifenden Film abgeben können. Es hätte über Homophobie im 18. Jahrhundert, über Apartheid, über Liebe, Romantik gehen können. Aber dazu hätte es die richtigen Mittel, gute Schauspieler, weniger schlechte Verkünstelung und vor allem eine gute Kamera gebraucht mit stimmungsvolleren Bildern. – Letzteres störte eigentlich am meisten: Der Film wirkt wie mit der billigsten Digi-Cam gefilmt; wie ein Billig-Porno ohne Sex.

Das geringste Übel ist noch der Sprachenmischmasch aus Englisch, Afrikaans, Holländisch, Zulu und „Buschmännisch“ (keine Ahnung, wie deren Sprache heißt), weswegen es den Film als logische Konsequenz nur mit Untertiteln gibt.

Ich kann jedenfalls nur abraten. Wer sich dennoch nicht abschrecken läßt, hier bitte: Proteus – Meine Liebe ist deine Freiheit (OmU)

Leben tötet mich

leben-totet-mich.jpgVivre me tue (OmU)

Frankreich, 2002
Regie: Jean-Pierre Sinapi
Darsteller: Sami Bouajila, Jalil Lespert u.a.

Was ist bloß aus dem großen französichen Kino geworden? Nach „Felix“ ist hier wieder Sami Bouajila zu sehen. Aber während er in „Felix“ noch sympathisch und leidlich gut aussah, wirkt er in „Vivre me tue“ nur noch langweilig bis abstoßend. Jalil Lespert dagegen als leicht debiles Bodybuilding-Bruderherz eine Augenweide. Dafür hat er überhaupt kein schauspielerisches Talent. – Nun weiß man nicht, ob man froh oder traurig sein soll, daß es weniger um ihn geht als um seinen großen Bruder.

Die Story? Es geht um die Brüder Paul und Daniel, Kinder marokkanischer Eltern, die in Paris leben. Paul hat studiert, will Schriftsteller werden, trägt aber Pizza aus, weil er sonst keinen Job findet (woran er übrigens selber schuld ist). Sein dümmlicher Bruder Daniel hat sein Leben dem Bodybuilding verschrieben, ist aber nicht sonderlich erfolgreich. Er folgt einem Liebhaber nach Hamburg, tritt in einer Sexrevue auf, landet aber bald durch seinen Anabolikamißbrauch im Krankenhaus.

Was der Film aussagen wollte? Keine Ahnung! Vielleicht muß man die Novelle von Jack-Alain Léger lesen, ums zu verstehen. Vielleicht kann man sich das aber auch sparen. Die Mühe lohnt nicht wirklich.

Warum der bei Amango unter der Kategorie „Gay/Lesbian“ läuft, ist auch ein Rätsel. Das Cover ist die reinste Mogelpackung! Eigentlich hat der Film auch hier nichts zu suchen, denn von der Homosexualität des Bodybuilding-Bruders bekommt man nicht allzu viel mit. Wollte den Film aber erwähnen, falls jemand tatsächlich auf die Idee kommen sollte, sich ihn wegen der angeblichen schwulen Thematik (die – ich sag’s nochmal! – nicht vorhanden ist) auszuleihen oder gar zu kaufen. Wer’s trotzdem nicht bleiben lassen kann, soll hier klicken!

Gay Sex in the 70s

gay-sex-in-the-70s.jpgGay Sex in the 70s

USA, 2005
Regie: Joseph F. Lovett

Eine eher langweilige Dokumentation über die schwulen Jahre zwischen 1969 (Stonewall) und 1981 (Erste Aids-Opfer) in New York City. Interviews mit alternden schwulen Persönlichkeiten (z.B. der Fotograf Tom Bianchi) und dazwischen historische Fotos und Filmaufnahmen aus jener Zeit. Hätte jeder x-beliebige Privatsender auch noch hinbekommen. ARTE wahrscheinlich sogar besser.

Nostalgie kommt hier jedenfalls nicht auf. Auch kein Neid auf „die gute alte Zeit“. Wesentlich schlechter als vergleichbare Nostalgie-Streifen wie „Beefcake“ oder „Stonewall“, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Für Jungschwuppen, die sich die Zeit vor Aids nicht vorstellen können, vielleicht ganz sehenswert. Einfach abwarten, bis er (mal wieder) im TV läuft. Dort kann man ihn sich ansehen, wenn man gerade nichts besseres zu tun hat.


Kilometer 0

kilometer-0.jpgKilómetro cero (OmU)

Spanien, 2002
Regie: Yolanda Garcia Serrano & Juan Louis Iborra
Darsteller: Concha Velasco, Georges Corraface, Carlos Fuentes uva.

Kilometer Null – Das ist ein Mittelpunkt der Stadt und der Punkt an der Plaza de la Puerta del Sol in Madrid, von dem die sechs wichtigsten Nationalstraßen Spaniens ausgehen.

An einem heißen Tag im August haben sich hier 14 verschiedene Menschen verabredet: Eine Prostituierte mit einem Freier, ein Schwuler mit einer Internet-Bekanntschaft, eine ältere Dame mit einem Callboy…

Dabei kommt es zu einigen Verwechslungen. – Daß diese entsprechend amüsant ausfallen können, kann man sich denken. Am Ende treffen sich alle in einem angrenzenden Cafe.

Ich finde immer mehr Gefallen an spanischen Filmen, auch wenn’s die immer nur im Original mit Untertitel gibt. Stört mich im Grunde überhaupt nicht, aber die Spanier sprechen leider so schnell, daß man mit dem Lesen der Untertitel kaum hinterher kommt. Dennoch lohnt es sich, diese nette kleine, stille Komödie anzuschauen. Nicht nur für Witz ist Dank der Verwechslungen gesorgt, sondern auch für eine gehörige Portion Erotik.

Kilometer 0 (KM 0)

No Skin off my Ass

no-skin-off-my-ass.jpegNo Skin off My Ass

Kanada, 1991
Regie: Bruce LaBruce
Darsteller: Bruce LaBruce, Klaus von Brücker, G.B. Jones u.a.

Ein Friseur (Bruce LaBruce himself) sieht im TV Robert Altmans „That cold Day in the Park“. – In diesem Film lädt eine reiche, aber einsame Frau einen jungen Mann von der Straße ein, bei ihr zu wohnen. – Und prompt geht unser Friseur also auf die Straße, liest einen verfrorenen und verlorenen Skinhead (Klaus von Brücker) auf, nimmt ihn mit nach hause, setzt ihn in die Badewanne und badet ihn. Während der Skinhead keinen Ton von sich gibt, plappert und plappert der tuckige Friseur.

Schließlich sperrt er den Skin nach dem Bad in sein Schlafzimmer ein. Gibt sich selbst sadomasochistischen Phantasien hin. Aber der Skin kann fliehen, flüchtet zu seiner lesbischen Schwester (die Punk-Künstlerin G.B. Jones), die gerade einige Casting-Aufnahmen dreht. Sie zwint ihren Bruder, sich für das Casting mit den Frauen auszuziehen.

Der Bruder ist sich unsicher. Ein schwuler Skinhead ist für ihn ein Widerspruch. Dennoch fühlt er sich zu dem Friseur hingezogen. Durch eine List der Schwester finden die beiden schließlich zusammen…

Soweit der vermutliche Inhalt von Bruce LaBruce‘ Debüt-Filmchen. Genau kann man das nicht sagen, denn er ist einfach so furchtbar schlecht gedreht und noch schlechter geschnitten, daß man wirklich nicht durchblickt. Auf Super 8 gedreht, schwarz-weiß, grauenvolle Bildqualität. Noch schlimmer Ton, der nicht synchron läuft, sondern als Stimmen aus dem Off.

Möglicherweise bin ich einfach nicht empfänglich für den angeblichen Trash-Kult-Indie-Regisseur Bruce LaBruce? Schon „Hustler White“ war eigentlich nur wegen der damaligen Madonna-Muse Tony Ward erträglich.

Aber das Schlimmste an Bruce LaBruce Filmen ist Bruce LaBruce himself, der es sich leider nicht nehmen läßt, immer die Hauptrolle zu spielen. Sein Anblick dreht mir jedes einzelne Mal den Magen um.

skin_klein.gifDas einzige Highlight dieses Films ist der extrem geil anzusehende Skinhead Klaus von Brücker (dessen Name nicht mal imdb richtig schreiben kann). Durch ihn werden einige Szenen immerhin doch recht erotisch.

Der Stoff an sich wäre gar nicht so übel; gäbe vielleicht einen guten Film ab. Aber einfach so furchtbar schlecht umgesetzt, daß einem sogar die Lust auf den obergeilen Skinhengst vergeht. – Egal, ob unter dem Deckmantel der „Kunst“ oder einfach aus Dilletantismus: Schlecht bleibt schlecht! Bruce, bleib bei Deinen Pornos!

Lilies (Theater der Leidenschaft)

lilies.jpgLes feluettes (Lilies)

Kanada, 1996
Regie: John Greyson
Darsteller: Ian D. Clark, Marcel Sabourin, Jason Cadieux uva.

In den 50er Jahren kommt ein Bischof in ein Gefängnis, um einem verurteilten Mörder die Beichte abzunehmen. Sehr schnell stellt sich heraus, daß er in eine Falle gelockt wurde. Statt der erwarteten Beichte wird ihm von den Gefängnisinsassen ein „Theaterstück“ vorgeführt, das die Ereignisse vor 40 Jahren aufdeckt, in die sowohl er als auch der Gefangene verstrickt waren. Dabei gehen die Erzählung, das Theater und die Erinnerungen nahtlos ineinander über.

Als logische Konsequenz werden alle Rollen von Männern gespielt; auch die Frauenrollen. – Und das ist schon wieder ein triftiger Grund, sich den Film im (englischen) Original anzusehen, weil den Männern in den Frauenrollen wieder einmal ein tuntiger Unterton hineinsynchronisiert wurde. Im Original ist der nicht vorhanden, so daß die „Frauen“ i.d.R. sehr natürlich wirken.

Ein sehr poetischer Film mit hinreißenden Jungdarstellern; allen voran Jason Cadieux als junger Simon. Einfach zum Verlieben! Dazu klerikale Musik (eins der wenigen guten Dinge, die die katholische Kirche hervorgebracht hat) und schöne Bilder. Durch den ungewöhnlichen, stellenweise sehr konstruiert wirkenden Stil, sicher keine leichte Kost für jedermann, aber für Genießer ein wahres Kleinod der Filmkunst!

Lilies – Theater der Leidenschaft