Bishonen – Beauty

bishonen.jpgMei shao nian zhi lian

Hongkong, 1998
Buchj & Regie: Yonfan
Darsteller: Stephen Fung, Daniel Wu uva.

Bishonen – Das ist der japanische Ausdruck für das Idealbild eines schönen Mannes. – Warum nun ausgerechnet ein japanischer Ausdruck für einen Hongkong-Filmtitel benutzt wird, lassen wir mal dahin gestellt. Auf jeden Fall handelt es sich bei „Bishonen“ um einen schönen kleinen Film aus Hongkong. Geschrieben und gefilmt von dem Fotografen Yonfan.

Die Geschichte anfänglich etwas verwirrend, weil die verschiedenen Figuren nur langsam während des Films durch Rückblicke charakterisiert werden. Hauptfigur ist der junge Jet. Er ist einer der besten Callboys der Stadt. Aber während seine Kunden sich regelmäßig in ihn verlieben, wartet er noch auf den Traummann, die große Liebe. Einer seiner Kollegen, J.P., ist ähnlich gestrickt, hatte allerdings seine große Liebe – Fai – schon einmal gefunden. Der verliebte sich aber in den aufstrebenden Sänger K.S. und trieb J.P. in die Prostitution. Woraufhin die Beziehung in die Brüche ging. Nun begegnet Jet dem Polizisten Sam und verliebt sich zum ersten Mal. Aber Sam – obwohl selbst schwul – läßt Jet nur als Freund an sich heran, nicht als Liebhaber. Und Jet verheimlicht Sam seinen wahren Beruf…

Naja, am Ende wird noch alles viel verwirrender, aber das will ich jetzt noch nicht verraten! Es ist auch nicht besonders hilfreich, daß Jet und J.P. sich sehr ähnlich sehen (zumindest für das europäische Auge) und einer der Personen unter zwei verschiedenen Namen auftaucht.

bishonen2.jpg Wer sich fragt, was es mit dem Fotographen auf sich hat, der zwischendurch gern Polizisten in aufreizenden Posen fotographiert, was im Grunde mit der Geschichte an sich nicht allzu viel zu tun hat: Das bezieht sich wohl auf einen Skandal vor wenigen Jahren, als solche Fotos von echten Polizisten in Hongkong veröffentlicht wurden.

Das traurige Ende für Europäer wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen. Aber insgesamt ein melancholischer Film mit erstaunlich wenig Sex (zumindest nicht genug, um die FSK 16 zu rechtfertigen) und einigen wirklich hübschen Darstellern. Kann man sich ansehen… vielleicht auch mehrfach, bis man alles verstanden hat.

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Cowboy forever (OmU)

cowboy-forever.jpgCowboy forever

Frankreich/Brasilien, 2006
Regie: Jean Baptiste Erreca
Darsteller: Machado de Figueiredo, Carlos de Araujo u.a.

Zitat aus der Filmbeschreibung: „Heißer als die Mittagssonne, härter als ein Rodeoritt und natürlich glühender als der Sonnenuntergang am Horizont. ‚Cowboy Forever‘ zeigt die wilde und sexy Seite der brasilianischen Gauchos, ganz ohne Vorurteile und mit viel Respekt.“

Na, das klingt doch nach einer Menge Spaß! Leider weiß ich nicht, welchen Softporno der Promoter sich da angeschaut hat!? „Cowboy forever“ war’s jedenfalls nicht!

cowboy-forever2.jpgEs gibt allerdings in der Tat Schönes zu sehen. Zwar nicht unbedingt in Form von nacktem Männerfleisch – wie Beschreibung und Promo-Bildchen uns das versprechen -, dafür aber in Form wunderschöner Naturaufnahmen. Dazu lädt die brasilianische Steppe auf jeden Fall ein.

Die semidokumentarische (Kurz-)Geschichte wird aus der Sicht von Govinda erzählt, einem jungen brasilianischen Goucho. Als einziger Junggeselle in der Horde Cowboys fühlt er sich sehr einsam. Dann kommt Jones, ein neuer Cowboy (mit entsetzlichen O-Beinen – nach einem schweren Unfall hätten sich die Beine der Form seines Pferdes angepaßt) zur Rotte. Govindas anfängliche Bewunderung schlägt langsam in Liebe um. Aber obwohl Jones ihn mit einem schwulen Tierarzt bekannt macht, der Govinda zum ersten Mal in seinem Leben mit der schwulen Welt in Berührung bringt (und da folgt ein kleiner „Werbespot“ für GayBonito – eine brasilianische Schwulen- und Lesbenorganisation), ist er selbst nicht schwul.

Govinda verzweifelt schier. Zum einen wegen der unerwiderten Liebe, zum anderen wegen der Entdeckung seiner eigenen Homosexualität. Doch schließlich zeigen ihm seine Comrades auf ihre Art, daß sie ihn so akzeptieren wie er ist. Seine Liebe zu Govinda endet in einer tiefen Freundschaft und sein schwules Glück findet er anderweitig.

Erfreulich kurz. Nur 27 Minuten dauert dieser Film. Und über diesen Zeitraum kann man ihn auch genießen. Er ist nicht schlecht erzählt, es gibt einige schöne Aufnahmen, aber das große erotische Prickeln, das uns das Promotionsbildmaterial verspricht, stellt sich nicht ein. Möglicherweise befindet sich das in dem umfangreichen Bonusmaterial, das immerhin fast dreimal so lang ist wie der Hauptfilm?

Fazit: Man muß die 9,95 € für diese im November erschienene DVD nicht unbedingt ausgeben.

Milk

Ab Januar soll gedreht werden: Gus van Sant will mit Sean Penn in der Hauptrolle das Leben von Harvey Milk verfilmen. – Milk wurde 1977 der erste offen schwule Stadtrat und Bezirksbürgermeister in San Francisco. 1978 wurde er von seinem politischen Gegner Dan White in einem heimtückischen Attentat erschossen.

 

1984 drehten Epstein und Schmiechen bereits einen Dokumentarfilm („The Times of Harvey Milk“), der sogar 1985 den Oscar als Bester Dokumentarfilm erhielt.

 

Auch Bryan Singer wollte mit dem Film „The Mayor of Castro Street“ das Thema Harvey Milk aufgreifen. Er erhielt sogar vor zwei Jahren den Zuschlag auf die Rechte. Aber durch einen Autorenstreik in Hollywood liegt dieses Projekt momentan auf Eis.

 

TV-Tipp: Die Konsequenz

konsequenz_die.jpgAusgerechnet das Bayerische Fernsehen, das sich seinerzeit 1977 von der Übertragung ausgeklinkt hat und auch 5 Jahre später noch eine angesetzte Übertragung wieder absetzte… also ausgerechnet dieser Sender zeigt

in der Nacht von Sonntag (25.11.) auf Montag

um Mitternacht

den deutschen schwulen Klassiker

„Die Konsequenz“

 

Deutschland, 1977
Regie: Wolfgang Petersen
Buch: Alexander Ziegler
Darsteller: Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald uva.

Nach dem Roman von Alexander Ziegler verfilmte Wolfgang Petersen – vier Jahre bevor er und Prochnow mit „Das Boot“ weltberühmt wurden – mit Jürgen Prochnow und der damaligen Neuentdeckung Ernst Hannawald die Geschichte einer Liebe zwischen einem Häftling und dem 16-jährigen Sohn des Gefängnisdirektors.

Sorgte seinerzeit für viel Aufsehen wegen des damals heiklen Themas. Es mag heute für einige antiquiert wirken, aber die ähnliche Aufregung über „Brokeback Mountain“ vor zwei Jahren in den Vereinigten Staaten zeigt, daß wir mit Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft noch längst nicht so weit sind, wie einige das glauben wollen.

Auch wenn die schauspielerische Leistung von Ernst Hannawald nicht gerade überzeugt, so ist der Film als Zeitzeugnis und Wegbereiter der schwulen Emanzipation ein unbedingtes Muß.

Also: Anschauen!

Cam Chat (OmU)

cam-chat.jpgOpen Cam

USA, 2005
Regie & Buch: Robert Gaston
Darsteller: Andreau Thomas, Amir Darvish uva.

Gerade auf DVD erschienen: „Cam Chat“. – Warum der englische Titel in einen englischen Titel bei einem Film auf Englisch mit deutschem Untertitel geändert wurde, das können wohl nur die Marketing-Leute von Pro-Fun Media beantworten.

Was wie ein Softporno beginnt, soll sich als Thriller entpuppen. Bleibt aber dank teilweise niedlichen, freundlicherweise meist hüllenlosen und ansonsten unbegabten Schauspieler trotzdem Softporno.

Die Geschichte beginnt entspannt mit Hauptfigur Mannys liebstem Hobby: Camsex auf der Internetseite „Washington Dick“ (Na, ob das politisch korrekt ist?). Und spinnt sich die erste halbe Stunde weiter mit Sex. Erst ab der 26. Minute soll’s dann spannend werden, weil plötzlich andere Chat-Teilnehmer – alles Typen, mit denen Manny real Sex hatte – vor laufender Kamera ermordet und kastriert werden (Ja, in dieser Reihenfolge!). Der ermittelnde Polizist – ein angeblich heißer Araber (wer’s mag!) – gibt sich fortan als Mannys Liebhaber aus, um dem Serienmörder auf die Spur zu kommen…

Die Story selbst reicht für ungefähr 15 Minuten unspannende Unterhaltung. Die restlichen 85 Minuten werden mit Sexszenen und nackten Männern ausgefüllt. Die schauspielerischen Leistungen verlaufen dabei reziprok zur individuellen Freizügigkeit. Der Soundeditor gehört an den Tresen von MacDonalds. Aber wenigstens wird’s einem nicht allzu langweilig beim ersten Mal. Ein zweites Mal braucht man den Film sicherlich nicht zu sehen.

 

Hedwig and the angry Inch

hedwig_and_the_angry_inch.jpgHedwig and the angry Inch (OmU)

USA, 2001
Buch & Regie: John Cameron Mitchell
Darsteller: John Cameron Mitchell, Michael Pitt uva.

Trailer

Eines der kultigsten Musicals der Neuzeit und trotzdem leider bei uns relativ unbekannt: Hedwig and the Angry Inch.

Eher Drag-Queen als Transsexuelle tingelt Hedwig mit ihrer Rockband durch die Lande, tritt in kleinen Clubs, Cafes, Waschsalons etc. vor desinteressiertem Publikum auf und reist dem gefeierten Rockstar Tommy Gnosis hinterher, der einige ihrer Lieder gestohlen hat.

In Liedern und Rückblenden wird Hedwigs Leben erzählt: Wie sie als „Hansel“ in Ost-Berlin in den 60er Jahren aufgewachsen ist. Dort hat der androgyne Junge seine Liebe zur Musik entdeckt und heimlich West-Radio gehört. Ein amerikanischer G.I. verliebt sich in ihn, nachdem er ihn zunächst für ein Mädchen gehalten hat. Um ihn aus der DDR herauszubekommen, will er ihn heiraten, was aber erst nach einer Geschlechtsumwandlung möglich ist, die ihm der Sugar-Daddy und seine eigene Mutter mehr oder weniger aufdrängen. Die Operation durch einen Pfuscher geht total in die Hose („When I woke up from the operation, I was bleeding down there […] It’s my first day as a woman. – Already it’s that time of the month! […] Where my Penis used to be and my vagina never was. It was an one inch mound of flesh.“ in „Angry Inch„) und übrig bleibt ein kleiner Fleischklumpen zwischen ihren Beinen.

Der Sugar-Daddy nimmt sie mit in die Staaten, wo sie in einem Trailer-Park leben. Ausgerechnet am Tag des Mauerfalls verläßt er Hedwig wegen eines geilen jungen Typen. Aber sie läßt sich nicht unterkriegen, freundet sich mit einem Nachbarsjungen an, dem sie sicheres Auftreten und Singen beibringt. Prompt wird der mit ihren Liedern ein gefeierter Rockstar…

1998 als Off-Broadway-Musical auf der Bühne gelandet, 2001 von John Cameron Mitchell persönlich verfilmt. – Multitalent Mitchell (Shortbus) schrieb nicht nur die Texte zur Musik von Stephen Trask (u. a. Star Camp), sondern schrieb auch das Drehbuch, führte Regie und spielt die Hauptrolle.

Herausragend vor allem die Kostüme, die Bühnenshows und natürlich die Musik, deren Spektrum von Country über Punkrock bis hin zu Balladen reicht.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite: Obwohl Mitchell einige Zeit in Berlin lebte, hat er geschichtlich wohl einiges durcheinander gebracht. Oder wie ist es zu erklären, daß Hansels Vater angeblich ein amerikanischer G.I. gewesen sein soll, der in den 60er Jahren seine Mutter schwängerte und sich dann verabschiedete? Und wie kommt ein weiterer amerikanischer G.I. in den 80er Jahren in die DDR? Auch Musikgeschichtlich ist nicht alles beim Reinen… – Aber wollen wir mal ein Auge gegenüber dieser Geschichtsignoranz der Amerikaner zudrücken. Die positiven Aspekte des Films überwiegen bei weitem!

Leider ist der Film bei uns noch nicht auf DVD erschienen. Nur als überteuerter UK-Import erhältlich. Lieber abwarten, ob er nicht doch irgendwann auf dem deutschen Markt erscheint. Empfehlenswert aber auf jeden Fall der Soundtrack, den’s auch mal günstiger gibt, wenn man sich umschaut. Leider ist mein Favorit „Midnight Radio“ nicht auf dem Soundtrack. Ansonsten mal bei YouTube etwas umsehen. Lohnt sich!

queer blog-a-thon

Queering the apparatus hat einen Blog-A-Thon über schwule Filme ins Leben gerufen.

Ein paar der Texte (vor allem Queering Disney) sind grandios. Also auf jeden Fall mal einen Blick wert:-)