Hundstage

hundstage.jpgDog Day Afternoon

USA, 1975
Regie: Sidney Lumet
Darsteller: Al Pacino, Chris Sarandon uva.

Nach einer wahren Begebenheit drehte Lumet 1975 diesen Thriller, der allerdings weniger thrillig als vielmehr – ob freiwillig oder unfreiwillig – ziemlich lustig ist: Sonny will mit zwei Kumpels eine Bank überfallen. Aber was als kurzer Überfall geplant ist, geht völlig in die Hose. Das fängt schon damit an, daß es sich einer der Kumpels mitten im Überfall anders überlegt und aussteigen will. Da wird dann erstmal diskutiert, ob er das Fluchtauto nimmt oder doch besser mit der U-Bahn fährt. – Plötzlich ist die Bank von einem Riesenaufgebot an Polizei umzingelt. Und aus dem Überfall wird eine Geiselnahme. Der größte Teil des Films spielt sich in oder um die Bank herum ab. Sonny tritt dabei mehrere Male vor die Tür, um mit der Polizei zu verhandeln. Es versammeln sich immer mehr Schaulustige, die Sonny für sich einnehmen kann.

Erst nach ungefähr einer Stunde – zugegeben: kurzweiliger – Unterhaltung erfährt man dann auch den Grund des Überfalls: Sonny will seinem Lover Leon von der Beute die 2500 Dollar teure Geschlechtsumwandlung bezahlen. Die Medien wollen die Homosexualität der Bankräuber negativ ausschlachten, aber die Herzen der Massen (und der Geiseln!) schlagen nur noch mehr für Sonny. Zu den üblichen Schaulustigen gesellen sich auch noch schwule Demonstranten…

Der Film beruht auf einen Banküberfall, der tatsächlich 1972 in ungefähr dieser Art stattfand und damals von den Medien groß in Szene gesetzt wurde. Der echte „Sonny“ – John Wojtowicz – wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach sieben Jahren wegen guter Führung entlassen. Er verkaufte die Rechte an seiner Geschichte für 7500 Dollar an Warner Bros und finanzierte damit endlich die Geschlechtsumwandlung seines Lovers. Dieser starb 1987 an Aids.

 

Der Film erregte seinerzeit großes Aufsehen, denn Lumets Darstellung von Homo- und Transsexuellen als Sympathieträger richtete sich gegen das reaktionäre Establishment. Wenn auch nicht unbedingt ein Auslöser, so doch immerhin ein Zeugnis der schwulen Emanzipation und Ausdruck der beginnenden Akzeptanz der Schwulen durch die Gesellschaft. Daß der Film insgesamt Homosexualität weit weniger thematisiert als ursprünglich geplant war, liegt an Al Pacino. Dieser lieferte zwar eine großartige schauspielerische Leistung ab, drohte aber kurz vor Drehbeginn damit, aus dem Filmprojekt auszusteigen, wenn nicht die meisten Stellen mit schwuler Handlung aus dem Drehbuch gestrichen würden. – Fünf Jahre später drehte er dann „Cruising“!

 

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