Kameraden (OmU)

kameraden.jpgKomrades

Can/Rus, 2003
Regie: Steve Kokker

Eine Dokumentation über das Leben russischer Marine-Kadetten ist an sich schon eher uninteressant. Wenn man ein gewisses Faible für adrette Soldaten (und die meisten sehen doch recht niedlich aus; immerhin das!) hat, für ihre Männlichkeitsrituale und ihre Auffassung von Kameradschaft, Phantasien über schwule Handlungen aufgrund akuten Frauenmangels, der könnte sich denken, daß er dennoch in diesem Dokumentarfilm auf seine Kosten kommt. Aber er wird enttäuscht werden! Zwar wird sicherlich das eine oder andere angesprochen, aber es ist schon beinahe ärgerlich, wie der Regisseur Steve Kokker im Hintergrund geifernd darauf lauert, den armen Jungs, die es sowieso schon nicht leicht haben, ihre vermutete latente Homosexualität anzudichten.

Besonders deutlich werden die Intentionen des Regisseurs in dem Kurzfilm „Birch“, der sich als Bonus auf der DVD befindet. Eigentlich kein eigenständiger Kurzfilm, sondern nur eine Erweiterung des Hauptfilms. Dort geht es um einen jungen Kadetten, der naiv genug war, nach einem Saufgelage die Nacht in seinem Bett zu verbringen, ohne sich dabei irgendwas zu denken. Als der Regisseur sich dann an ihn rangemacht hat, hat der Junge freundlich, aber bestimmt, gesagt, daß er das nicht will und nur auf Frauen steht. Anstatt das zu akzeptieren, sucht Steve Kokken ihn danach nochmal auf und versucht ihn 20 Minuten lang zu überreden, endlich zu gestehen, daß er in Wahrheit sicher doch schwul wäre. Eindeutig zu erkennen, daß der Junge es nicht ist. Und wenn er’s wäre, würde er es sicher nicht vor laufender Kamera zugeben.

Also, eher ärgerlich das Ganze. Und man schämt sich schon beinahe, daß dieser Regisseur zur schwulen Gattung gehört. Diesen Film braucht kein Mensch!

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Gay Sex in the 70s

gay-sex-in-the-70s.jpgGay Sex in the 70s

USA, 2005
Regie: Joseph F. Lovett

Eine eher langweilige Dokumentation über die schwulen Jahre zwischen 1969 (Stonewall) und 1981 (Erste Aids-Opfer) in New York City. Interviews mit alternden schwulen Persönlichkeiten (z.B. der Fotograf Tom Bianchi) und dazwischen historische Fotos und Filmaufnahmen aus jener Zeit. Hätte jeder x-beliebige Privatsender auch noch hinbekommen. ARTE wahrscheinlich sogar besser.

Nostalgie kommt hier jedenfalls nicht auf. Auch kein Neid auf „die gute alte Zeit“. Wesentlich schlechter als vergleichbare Nostalgie-Streifen wie „Beefcake“ oder „Stonewall“, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Für Jungschwuppen, die sich die Zeit vor Aids nicht vorstellen können, vielleicht ganz sehenswert. Einfach abwarten, bis er (mal wieder) im TV läuft. Dort kann man ihn sich ansehen, wenn man gerade nichts besseres zu tun hat.


Beefcake

beefcake.jpgBeefcake

USA, 1998
Regie: Thom Fitzgerald

Halb Dokumentation, halb Spielfilm wird hier der Aufstieg und Fall des Fotografen Bob Mizer gezeigt.

Bob Mizer gründete bereits 1945 die Athletic Model Guilde (AMG-Studios). Er fotografierte Männer, sehr spärlich bekleidete Männer, was damals unter dem Deckmantel der „Kunst“ noch relativ legal war (traf nicht für Frauen zu). In den 50er Jahren gab er das Magazin „Phyisique Pictorial“ heraus. Wegen der Rechtslage wurde dieser Vorgänger heutiger schwuler Hochglanzmagazine mit Bildern von nackten oder fast nackten Männern in „künstlerischer“ Pose und Umgebung bestückt.

Das war der damals noch viel prüderen amerikanischen Obrigkeit natürlich ein Dorn im Auge. Bob Mizer wurde mehrmals verhaftet unter dem Verdacht der Pornographie und vor allem der Anstiftung zur Prostitution, weil seine Models sich gern nebenbei noch ein kleines Taschengeld hinzu verdienten.

beefcake-szenenbild.jpgDie Magazine sind bis heute bekannt und begehrt. Nicht zuletzt wohl auch, weil zum Teil bekannte Comic-Zeichner wie Tom of Finland und Quaintance Titelbilder dafür anfertigten. Aber auch einige der Modelle machten später (halbwegs) Karriere, wie Joe Dallesandro (Andy Warhols Protege) oder Glenn Corbet („Dallas“, „Raumschiff Enterprise“).

Die ganze Atmosphäre, der naive Charme, der Humor der Bilder, ihrer Entstehung und die Anfänge des Magazins, werden sehr realistisch dargestellt. Und die Models sind natürlich lecker und entsprechend erotisch ist das Ganze anzusehen, auch wenn’s eine seltsame Mischung aus Dokumentation und Spielfilm ist. Im dokumentarischen Teil kommen u.a. auch ehemalige Models zu Wort.

Es ist natürlich kein Spielfilm, den man sich einfach mal so zur Unterhaltung ansieht. Aber für jeden, der „Physique Pictorial“ kennt (und jeder Schwule sollte das eigentlich!) und ein bißchen in Nostalgie schwelgen will, ist der Film ein unbedingtes Muß! Als Zeitdokument unverzichtbar. Sollte jeder Schwule auf jeden Fall mal gesehen haben.

Hier noch ein paar Ausschnitte aus Filmchen, die Mizer gedreht hat.

Und als Bonus gibt’s auf der DVD noch viele Extras. Unter anderem einige kleine Filmchen, die Mizer damals auch gedreht hat.

Beefcake