In & Out (TV-Tipp)

in_and_out.jpgIn & Out
USA, 1997
Regie: Frank Oz
Darsteller: Kevin Kline, Joan Cusack, Debbie Reynolds, Matt Dillon, Tom Selleck uva.

Nach dreijähriger Verlobung ist es endlich so weit: Die Hochzeit zwischen Kleinstadtlehrer Howard Brackett und seiner Verlobten Emily steht kurz bevor. Doch dann findet die Oscar-Verleihung statt und der gefeierte Star Cameron Drake, der ursprünglich aus dieser Kleinstadt stammt, outet in seiner Dankesrede seinen ehemaligen Lehrer – Howard – als schwul.
Natürlich ist die Aufregung nun sehr groß in dieser kleinen Stadt, vor allem weil sich die Medien auch darauf stürzen (naja, daß das so ein Aufsehen erregen soll, kann man nun nicht ganz nachvollziehen…). Aber Howard bleibt zunächst noch gelassen, ist er sich doch sicher, daß er wirklich hetero ist. Andererseits: Er ist immer gut gekleidet, drückt sich gewählt aus, tanzt gern und ist vor allem ein Fan von Barbra Streisand! Also sprechen alle Indizien gegen ihn…

Die Meinungen über diesen Film sind in der schwulen Gemeinde sehr geteilt. Viele halten ihn für politisch unkorrekt. Andere für viel zu überzogen. Die nächsten für zu positiv, da er die wahren Schwierigkeiten, die Problematik und die Tragweite eines ungewollten Outings verschweigt. – Ich halte ihn für ausgesprochen witzig, mit vielen netten kleinen Einfällen (allein schon die Oscarverleihung!) und einem hervorragendem Schauspielerensemble. Kevin Kline mal wieder einfach nett, dazu ein Wiedersehen mit Debbie Reynolds, Matt Dillon, der sich und einige Kollegen auf den Arm nimmt, Supermodel Shalom Harlow, die sämtliche Klischees über dumme, bulemische Models richtigstellt, Joan Cusack als frustrierte Braut und schließlich noch Tom Selleck, der – nachdem er sich jahrelang gegen den Verdacht, schwul zu sein, gewehrt hatte – nun einen schwulen Reporter spielt.

Meines Erachtens auf jeden Fall ein sehenswerter Spaß. Weitaus sehenswerter als Schwachsinn wie „Chuck & Larry“, zumal hier sich Männer auch mal küssen dürfen und nicht mit dermaßen vielen Berührungsängsten an das Thema Homosexualität herangegangen wird.

Deshalb in der Nacht von Sonntag, 30.12.2007, auf Montag um 0.10 Uhr ARD einschalten, wenn man nicht am nächsten Tag in die Arbeit muß!

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The Producers

producers_the.jpgThe Producers

USA, 2005
Regie: Susan Stroman
Buch: Mel Brooks, Thomas Meehan
Darsteller: Nathan Lane, Matthew Broderick, Uma Thurman, Will Ferrell uva.

Trailer

Weil ich neulich schon bei Nathan Lane war, heute mal wieder ein kurzer Ausflug ins Reich der Musicals: „The Producers“ aus dem Jahr 2005 ist die Verfilmung eines Musicals aus dem Jahr 2001 über ein Musical aus dem Jahr 1959, das auf dem gleichnamigen Spielfilm von Mel Brooks aus dem Jahr 1968 basiert. Verstanden? Nee? Dann nochmal: 1968 drehte Mel Brooks den Spielfilm „The Producers“ („Frühling für Hitler“). Daraus wurde 2001 ein Broadway-Musical gemacht. Und dieses wurde wiederum 2005 verfilmt. Der Film spielt im Jahr 1959 und darin geht es um eine Musicalproduktion. Genauer gesagt um den erfolglosen Broadway-Produzenten Max Bialystock und den neurotischen Buchhalter Leo Bloom. – Bloom entdeckt bei der Buchprüfung, daß man als Produzent mit einem totalen Flop mächtig Kohle machen könnte, wenn man ein Mehrfaches der Produktionskosten von Sponsoren anleihert und garantieren kann, daß die Produktion ein totaler Reinfall und nach der Premiere sofort abgesetzt wird.
Also suchen sie sich das schlechteste Drehbuch das sie finden können: Eine geschmacklose Hommage an Adolf Hitler aus der Feder eines Exil-Nazi-Deutschen (ein bißchen zu schräg selbst für meinen Geschmack: Will Ferrell). Dazu den schlechtesten Regisseur, den sie finden können: Den obertuntigen Roger DeBris. Und in der weiblichen Hauptrolle die völlig untalentierte Schwedin Ulla. – Damit kann nichts mehr bzw. muß eigentlich alles schiefgehen. Denken sie!
In den ersten Minuten ist das Publikum auch entsetzt über die Geschmacklosigkeit. Aber nachdem der Deutsche in der Rolle des Hitlers ausfällt und stattdessen der tuntige Regisseur eine glänzende schwule Parodie auf Hitler hinlegt, ist das Publikum wider Erwarten begeistert. Und damit beginnen für Bialystock und Bloom die Probleme…

An sich ist das Ganze recht witzig. Manchmal will einem das Lachen schon fast im Hals stecken bleiben bei soviel politischer Unkorrektheit. Broderick und Lane sind sichtlich routiniert und ein eingespieltes Team. Kein Wunder: Haben sie doch bereits auf der Bühne die Rollen hervorragend verkörpert. Leider wirkt das, was auf der Bühne wohl normal wirkt, auf der Leinwand oft zu sehr wie Slapstick aufgrund überzogener Gesten und Mimik. Weniger wäre da mehr gewesen. Das liegt möglicherweise an der Film-unerfahrenen Regisseurin Susan Stroman, die sich schon für die Broadway-Inszenierung verantwortlich zeigte. Aber Bühne ist eben nicht Leinwand. Und umgekehrt.

Die Musik- und Tanzeinlagen wirken oft langweilig und flach. Ein Glück, wer sich den Film auf DVD anschaut und sie vorspulen kann. Im Kino muß man eben die eine oder andere Nummer aussitzen. Doch was ist ein Musical ohne Musik- und Tanzeinlagen? – Andere Nummern dagegen möchte man am liebsten gleich nochmal sehen. Sehr schön ist beispielsweise der Auftritt von Roger DeBris und seiner Crew mit „Keep it gay„. Und ausgerechnet „Springtime for Hitler“ ist ein absoluter Ohrwurm.

Ansonsten muß man oft jedenfalls sehr genau (und schnell) hinschauen, dann entdeckt man immer wieder nette und witzige Kleinigkeiten. Außerdem gilt hier ganz besonders wieder der Hinweis: Auf jeden Fall im Original ansehen! Die Synchronisation verbietet sich allein schon wegen des Deutsch-ähnlichen Kauderwelschs, das Will Ferrell hinlegt.

 

 

Deep End – Trügerische Stille

deep-end.jpgThe Deep End

USA, 2001
Regie: Scott McGehee, David Siegel
Darsteller: Tilda Swinton, Goran Visnjic, Jonathan Tucker uva.

Trailer

Eine Mutter und Hausfrau findet heraus, daß ihr 17-jähriger Sohn schwul ist und ein Verhältnis mit einem 30-jährigen Club-Besitzer hat. Sie will, daß der Liebhaber sich von ihrem Sohn fern hält, versucht es auch mit Bestechung. Noch in der gleichen Nacht besucht der Lover ihren Sohn. Es kommt zu einem Streit. Am nächsten Tag findet die Mutter die Leiche des Liebhabers am Bootshaus. Im Glauben, ihr Sohn hätte ihn umgebracht, versucht sie die Leiche loszuwerden und versenkt sie im See. Doch dann taucht ein mysteriöser Typ auf, der versucht mit einem Sexvideo von ihrem Sohn und dessen Lover 50.000 Dollar von ihr zu erpressen…

Im Prinzip ein netter kleiner Thriller, was er vor allem der hervorragenden Leistung von Tilda Swinton verdankt. Diese verkörpert eine Mutter, welche trotz der angespannten Situation versucht, ihren täglichen hausfraulichen Verpflichtungen nachzukommen. Trotz etlicher Logikfehler (Warum versenkt sie die Leiche in einer Bucht mit kristallklarem Wasser? Warum nicht in der vermutlich tieferen Mitte des Sees? Warum darf der Sohn noch Auto fahren, obwohl er doch kurz davor betrunken einen Unfall gebaut hat? Warum läßt sie sich überhaupt mit einem Sexvideo erpressen, wenn klar ist, daß der Lover etliche Liebhaber hatte und das Video selbst rein gar nichts aussagt? Wieso ist das blaue Auge des Sohnes zwei Tage später schon verheilt? etc.) ist er in der ersten Stunde recht spannend. Doch dann ist plötzlich die Luft raus, als der Erpresser (jung und süß und leider nicht schwul: Goran Visnjic) die Seiten wechselt.

Die Landschaft am Lake Tahoe ist einfach atemberaubend und macht den Film allein schon sehenswert. Und wenn man bedenkt, daß die Produktionskosten lediglich 3 Millionen Dollar betrugen, bekommt man für dieses Geld doch einen recht soliden Film.

Nach dem Roman von Elisabeth Sanxay Holding drehte der saarländische Regisseur Max Ophüls bereits 1949 den Film „Schweigegeld für Liebesbriefe“. In der Vorlage handelte es sich allerdings bei der Leiche noch um den Liebhaber der Tochter. Warum man daraus nun den männlichen Liebhaber des schwulen Sohnes gemacht hat, erschließt sich nicht weiter. Denn im Jahr 2001 dürfte das auch nicht mehr allzu viel Aufsehen erregt haben. Überhaupt wird die Homosexualität des Sohnes, die eigentlich Ausgangspunkt des ganzen Dramas sein soll, im weiteren Film viel zu wenig thematisiert. Nett anzusehen war immerhin noch der kurze Ausschnitt aus dem Sexfilmchen. Der hätte nach meinem Geschmack ruhig noch etwas länger gezeigt werden können.

Ansonsten kann man sich den Film durchaus mal ansehen, muß ihn aber auch nicht unbedingt gesehen haben. Wer schwule Thematik erwartet, wird auf jeden Fall enttäuscht werden.

Sein eigenes Urteil bilden kann man

in der Nacht von Samstag, 22.12., auf Sonntag, 23.12.2007

im ZDF

um 0.45 Uhr

 

 

Hundstage

hundstage.jpgDog Day Afternoon

USA, 1975
Regie: Sidney Lumet
Darsteller: Al Pacino, Chris Sarandon uva.

Nach einer wahren Begebenheit drehte Lumet 1975 diesen Thriller, der allerdings weniger thrillig als vielmehr – ob freiwillig oder unfreiwillig – ziemlich lustig ist: Sonny will mit zwei Kumpels eine Bank überfallen. Aber was als kurzer Überfall geplant ist, geht völlig in die Hose. Das fängt schon damit an, daß es sich einer der Kumpels mitten im Überfall anders überlegt und aussteigen will. Da wird dann erstmal diskutiert, ob er das Fluchtauto nimmt oder doch besser mit der U-Bahn fährt. – Plötzlich ist die Bank von einem Riesenaufgebot an Polizei umzingelt. Und aus dem Überfall wird eine Geiselnahme. Der größte Teil des Films spielt sich in oder um die Bank herum ab. Sonny tritt dabei mehrere Male vor die Tür, um mit der Polizei zu verhandeln. Es versammeln sich immer mehr Schaulustige, die Sonny für sich einnehmen kann.

Erst nach ungefähr einer Stunde – zugegeben: kurzweiliger – Unterhaltung erfährt man dann auch den Grund des Überfalls: Sonny will seinem Lover Leon von der Beute die 2500 Dollar teure Geschlechtsumwandlung bezahlen. Die Medien wollen die Homosexualität der Bankräuber negativ ausschlachten, aber die Herzen der Massen (und der Geiseln!) schlagen nur noch mehr für Sonny. Zu den üblichen Schaulustigen gesellen sich auch noch schwule Demonstranten…

Der Film beruht auf einen Banküberfall, der tatsächlich 1972 in ungefähr dieser Art stattfand und damals von den Medien groß in Szene gesetzt wurde. Der echte „Sonny“ – John Wojtowicz – wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach sieben Jahren wegen guter Führung entlassen. Er verkaufte die Rechte an seiner Geschichte für 7500 Dollar an Warner Bros und finanzierte damit endlich die Geschlechtsumwandlung seines Lovers. Dieser starb 1987 an Aids.

 

Der Film erregte seinerzeit großes Aufsehen, denn Lumets Darstellung von Homo- und Transsexuellen als Sympathieträger richtete sich gegen das reaktionäre Establishment. Wenn auch nicht unbedingt ein Auslöser, so doch immerhin ein Zeugnis der schwulen Emanzipation und Ausdruck der beginnenden Akzeptanz der Schwulen durch die Gesellschaft. Daß der Film insgesamt Homosexualität weit weniger thematisiert als ursprünglich geplant war, liegt an Al Pacino. Dieser lieferte zwar eine großartige schauspielerische Leistung ab, drohte aber kurz vor Drehbeginn damit, aus dem Filmprojekt auszusteigen, wenn nicht die meisten Stellen mit schwuler Handlung aus dem Drehbuch gestrichen würden. – Fünf Jahre später drehte er dann „Cruising“!

 

Besser geht’s nicht

besser_gehts_nicht.jpgAs good as it gets

USA, 1997
Regie: James L. Brooks
Darsteller: Jack Nicholson, Helen Hunt, Greg Kinnear uva.

Malvin ist ein erfolgreicher Schriftsteller, aber auch Zyniker und Zwangsneurotiker: Fugen in Fliesen sind tabu. Für jedes Händewaschen (und das nicht zu selten) ein neues Stück Seife. Der Hund des schwulen Nachbarn landet schon mal im Müllschlucker, weil er ins Treppenhaus gepinkelt hat (der Hund! Nicht der Nachbar!). Im Restaurant immer am gleichen Tisch sitzen und mit dem eigenen mitgebrachten sterilen Plastikbesteck essen. Immer von der gleichen Kellnerin – Carol – bedient werden. Und Haßtiraden gegen Schwule, Schwarze, Juden und sonstige Minderheiten von sich geben.

Sein durchorganisiertes Leben nach festen Regeln ändert sich schlagartig: Sein schwuler Nachbar Simon wird zusammengeschlagen und liegt im Krankenhaus; Simons Agent und Freund zwingt Malvin, in der Zwischenzeit auf den Hund aufzupassen. Kommt noch erschwerend hinzu, daß Carol plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint, weil sie sich um ihren lungenkranken Sohn kümmern muß und eine Arbeit sucht, die näher an ihrer Wohnung liegt. Zunächst aus eigennützigen Interessen bezahlt Malvin einen teuren Spezialisten, der sich um Carols Sohn kümmert.

Als er dann auch noch mehr oder weniger dazu erpreßt wird, den pleitegegangenen Simon quer durch die Staaten zu dessen Eltern zu fahren, damit der sie um Geld bitten kann, und Carol die beiden begleitet, ändert Malvin nach und nach sein Leben und läßt andere Menschen (und Hunde) an sich heran…

Eine typische feelgood-Komödie aus Hollywood. Aber trotzdem immer wieder schön anzuschauen. Das liegt vor allem an den hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Die Rolle des Malvin wirkt wieder einmal, als wäre sie Jack Nicholson auf den Leib geschneidert worden; aber so wirkt er eigentlich in jeder Rolle. Nicht umsonst haben er und Helen Hunt für ihre Darstellung den Oscar erhalten.

Leider ging der nominierte Greg Kinnear leer aus, obwohl er in der Rolle des schwulen Künstlers Simon den anderen beiden in nichts nachsteht. Vor allem wird die Schwulenthematik nicht nur nebensächlich abgehandelt und die Geschichte von Simon ist fast gleichrangig zur Geschichte von Malvin und Carol, so daß „Nebenrolle“ eigentlich untertrieben ist.

Auf jeden Fall eine nette Komödie, die ohne dogmatischen Zeigefinger sondern schlichtweg durch ihre Normalität des Exzentrischen für mehr Toleranz und Akzeptanz von Außenseitern der Gesellschaft wirbt. Genau das Richtige für kuschelige lange Winterabende!

Rocco

rocco.jpgRocco

Österreich, 2002
Regie: Houchang Allahyari
Darsteller: Morteza Tavakoli u.v.a.

Trailer

Eigentlich hat dieser Film unter den schwulen Filmen nichts zu suchen. Dennoch wird er auf manchen Seiten oder bei Verleihern als schwuler Film angepriesen. Dabei kommt es nur in wenigen Szenen zu schwulen Andeutungen. Vernachlässigbar!

Auch ansonsten hat der Film nicht viel zu bieten. Die Geschichte selbst unausgegoren, hektisch und verworren: Der 19-jährige Rocco, Gastarbeiterkind in zweiter Generation, lebt mit seiner Schwester und den Eltern in einer winzigen Zweizimmerwohnung. Kein Wunder, daß er da weg will! Die Chance ergibt sich, als er Max und Leila kennenlernt, die gerade ein Cafe eröffnen wollen. Max soll wohl schwul sein; welche Beziehung er zu/mit Leila hat, wird nicht so ganz klar. Warum er unter Depressionen leidet, wird auch unterschlagen. Aber die Story ist sowieso lückenhaft, also spielt das auch keine Rolle mehr. Jedenfalls wäre für Rocco als Geschäftsführer des Cafes die große Chance gekommen, wenn er nicht noch ein Verhältnis mit Leila anfangen würde und sich mit einem Drogendealer einlassen würde, der sich ausgerechnet dieses Cafe (das im hintersten Winkel verborgen ist, so daß es auch sicher kein Schwein findet!) als Umschlagplatz ausgesucht hat. Naja, und irgendwie geht dann alles den Bach runter. Und man ist froh, daß der Schwachsinn ein Ende findet!

Also, Geschichte furchtbar. Ton grauselig. Schauspielerisches Talent im Minusbereich. Aber am allerschlimmsten die dilletantische Digitalkamera ohne jegliche Ausleuchtung und völlig verwackelt. Da gibt’s bei YouTube bessere Amateurvideos zu sehen!

rocco-2.jpgEinzige Lichtblicke: Die Akteure zeigen keine falsche Scham und dementsprechend viel Haut (okay, beim Vater würde man sich etwas mehr Schamhaftigkeit wünschen!). Und der Hauptdarsteller Morteza Tavakoli ist doch relativ nett anzusehen und hat eine gewisse Ausstrahlung. Könnte man mal im Auge behalten…

Walk on Water

walk-on-water.jpgLaLehet Al HaMayim

Israel, 2004
Regie: Eytan Fox
Darsteller: Lior Ashkenazi, Knut Berger uva.

Trailer

Zunächst ein paar kurze Worte an die Redakteure einer großen deutschen Schwulenzeitschrift: Der Film heißt „Walk on Water“. Er heißt nicht „Walking on Water“, auch wenn das mal sein Arbeitstitel war. Ist zwar nur ein „ing“, aber da könnte es leicht zu Verwechslungen kommen!

Im Gegensatz zu „Walking on Water“ ist „Walk on Water“ vom israelischen Regisseur Eytan Fox („Yossi & Jagger“, „The Bubble“) nämlich wirklich sehenswert! Das verdankt der Film nicht nur der guten, abgerundeten Geschichte, sondern vor allem auch dem Hauptdarsteller Lior Ashkenazi. Der spielt den Mossad-Agenten Eyal, der auf den Enkel eines hochrangigen SS-Offiziers angesetzt wird, um herauszufinden, ob (und wo) der Nazi-Opa noch am Leben ist.

Axel, der Enkel, kommt aus Berlin angereist, um seine Schwester Pia zu besuchen, die in einem Kibbuz arbeitet. Er soll sie dazu überreden, zum 70. Geburtstag des Vaters zurück nach Deutschland zu kommen. Dabei ahnt er nicht, warum seine Schwester mit den Eltern nichts mehr zu tun haben will.

Eyal gibt sich als Fremdenführer aus, um Axel und seine Schwester überwachen zu können und eventuell Hinweise auf den Großvater zu finden. Er ist von diesem Auftrag als „Babysitter“ nicht sonderlich begeistert, sieht er seine Aufgaben doch eher in der aktuellen Terrorbekämpfung. Das Aufspüren von Nazis hält er 60 Jahre nach dem Krieg für Zeitverschwendung. Aber der hartgesottene Agent freundet sich mit dem Geschwisterpärchen an; ist vor allem fasziniert von Axels offenherziger, liberaler und liebenswerter Art. Was sich allerdings wieder schlagartig ändert, als er herausfindet, daß Axel schwul ist…

Der Film gibt sehr interessante Einblicke in das Israel der Gegenwart. Wobei Fox nicht eindeutig Stellung bezieht, nicht wertet, wer nun gut und wer böse ist. Und gerade das macht den Film so sehenswert, auch wenn Homosexualität im Film nur eine untergeordnete Rolle spielt. *Spoiler* Um Enttäuschungen zu vermeiden: Der toughe und markant-geile Eyal entdeckt seine schwule Ader nicht, auch wenn so mancher Zuschauer (incl. mir) sehnlichst darauf wartet. *Spoiler Ende*

Wer die Möglichkeit hat, sich die DVD anzusehen, der sollte dies auf jeden Fall im Original mit Untertitel tun. Denn der Sprachmix aus Hebräisch, Englisch, Deutsch, Türkisch und Arabisch ist einfach herrlich!