Naked Boys Singing

naked-boys-singing.jpg Naked Boys Singing

USA, 2007
Trailer

10 nackte Männer auf der Bühne. – Na, da erwartet man doch jede Menge erotischer Funken. Ich verrate es gleich: Besonders sinnlich ist das nicht. Zwar haben die Jungs durchweg gute Körper, es sind auch ein paar richtige Schnuckelchen dabei (meine Favoriten auf jeden Fall Joseph Keane mit Perky little Pornstar – der ist ja soooo süß! – und Kevin Alexander Stea mit Naked Maid – der kann wirklich gut tanzen!) und es wird für jeden Geschmack etwas geboten – Schwarze, Gelbe, Latinos, Rothaarige, Blonde, groß, klein… -, dennoch ist das Ganze ungefähr so erotisch wie ein FKK-Strand. Aber erotisch soll’s auch gar nicht sein. Die Nacktheit wirkt einfach natürlich, und das ist gut so.

Als erfolgreiches Off-Broadway-Musical seit 1999 auf verschiedenen Bühen zu sehen, hat man das Musical nun aufgezeichnet. Leider waren bei dieser Aufzeichnung nicht gerade Profis am Werk, denn das Ganze wirkt hier ungefähr so spektakulär wie die Sankt Ingberter Pfanne, also Kleinkunstbühne… – Naja, große Erwartungen sollte man eh nicht haben. Der Durchschnittsamerikaner ist nun mal eher kleiner ausgestattet. Vielleicht war’s auch einfach nur kalt im Theater. Aber als kulturinteressierter Mensch schaut man ja sowieso nicht auf die bloßen Tatsachen. *räusper*

Musikalisch nicht unbedingt überragend, und schon gar nicht gesanglich. Es dürfte auch schwer sein, geeignete Darsteller zu finden, die schwul sind und gut aussehen und eine gute Figur haben und tanzen können und sich gern ausziehen und dann auch noch eine gute Stimme haben? Nein, das ist etwas zu viel verlangt. Immerhin werden die ersten fünf Prämissen durchaus erfüllt (gut, ob sie wirklich schwul sind, kann man nun ja als Zuschauer nicht unbedingt beweisen).

Auch wenn die Melodien einen nicht unbedingt vom Stuhl reißen, so sind die Texte immerhin größtenteils köstlich. Egal ob es nun um den jüdischen Porno-Jungen geht oder um Beschneidung oder um Masturbation oder um die Vermeidung von Erektionen in Umkleideräumen. – Übrigens kann ich nicht verleugnen, daß ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, daß genau das bei einem der Darsteller mal passiert. Wie machen die das wohl, daß sie dagegen gefeit sind?

Da wir hierzulande die Bühnenshow wohl nicht so bald zu sehen bekommen werden, wäre die DVD immerhin ein akzeptabler Ersatz. Die gibt’s ab 31.Dezember als UK-Import zu kaufen. Warum man nicht einfach noch deutsche Untertitel draufgepackt hat – denn eine Synchronisation wäre skandalös -, um sie auch auf dem deutschen Markt verwerten zu können, versteht mal wieder kein Schwein…

P.S.: Bevor jemand wegen der Abdeckung im YouTube-Video fragt: Nein, natürlich ist im Original nichts abgedeckt.  YouTube hat halt seine Problemchen mit nackten Tatsachen. Ich befürchte auch, daß die Links nicht allzu lange funktionieren. Also ganz schnell klicken!

 

Baby Steps

baby-steps.gifBaby Steps

USA, 1999
Buch & Regie: Geoffrey Nauffts
Darsteller: Geoffrey Nauffts & Kathy Bates

Robert, ein schüchterner Mann Mitte 30, kommt in eine Adoptionsagentur und will ein Baby adoptieren. Im inquisitorischen Gespräch mit der Agenturleiterin stellt sich nach einigen Minuten heraus, daß er schwul ist und sein Lebensgefährte vor kurzem an Aids gestorben ist. Die Frau versucht das Gespräch schnell zu beenden und will ihn mit einigen Papieren abwimmeln, doch Robert gibt nicht so leicht auf…

Ein 19-minütiges Kammerspiel, das hauptsächlich von der großartigen schauspielerischen Leistung der beiden Darsteller lebt. Dabei geht es nicht nur um die Schwierigkeiten, die Schwule bei der Adoption haben (die einzige Chance für Robert wäre die Adoption eines HIV-infizierten Kindes oder eines behinderten Kindes aus dem Ausland) und den Kampf gegen vorschnelle Urteile, sondern „Baby Steps“ ist gleichermaßen ein Film, der Mut machen will. Mut, auch scheinbar ausweglose Vorhaben in die Tat umzusetzen, anzugehen, es zumindest zu versuchen, egal wie gering die Chancen auf Erfolg sind. Nicht umsonst endet der Film mit einer wunderschönen Chor-Fassung von „How high the moon…“

Queer Duck

queer-duck.jpgQueer Duck – The Movie
USA, 2006
Regie: Xeth Feinberg
Buch: Mike Reiss

Angefangen hat alles um die schwule Ente als Macromedia Flash-Animation bei icebox.com, wo übrigens auch die 20 dreiminütigen Episoden angesehen werden können.

 

2002 – 2004 wurden die Episoden dann im amerikanischen Kabelfernsehen von Showtime gezeigt.
Und 2006 kam „Queer Duck – The Movie“ heraus; eine 70-minütige Episode in Spielfilmlänge, gestreckt durch einige Gesangs- und Musicaleinlagen.

Queer Duck – das ist eine schwule Zeichentrickente; wie der Name schon sagt. Sein Lover seit 18 Monaten (= ein ganzes Leben in Schwulenjahren gemessen) ist das Krokodil Openly Gator. Ansonsten noch mit von der Partie: Der Dandy Oscar Wildcat und der Lederbär Bi-Polar Bear.
Schwule Klischees allerorten, aber toootal witzig, frech und fern jeglicher politically correctness. Kein Wunder! Zeichnet sich u.a. „Simpsons“-Co-Produzent Mike Reiss als Autor und Produzent mitverantwortlich.
Die Story selbst ist eigentlich gar nicht so wichtig: Queer Duck legt sich mit Reverend Vandergelding an, einem Haßprediger, der behauptet, Schwule „heilen“ zu können. Nach einem fehlgeschlagenen Heilungsversuch im Stil von „Clockwerk Orange“ greift er zu härteren Maßnahmen. Kurzfristig wird Queer Duck zum ekelhaft heterosexuellen Straight Duck. Aber ein Kuß von der Göttin Barbra Streisand polt ihn zum Glück wieder um. Dennoch stürzt er in eine sexuelle Identitätskrise, vor allem als er sich mit der alternden Diva Lola Buzzard anfreundet, die ihn dann heiraten will. Er trennt sich tatsächlich von Bi-Polar Bear und heiratet Lola, die in ihrer Hochzeitsnacht durch einen multiplen Orgasmus abkratzt. Queer Duck erbt ihr beträchtliches Vermögen und kauft einen Vergnügungspark, der ursprünglich Schwulen den Eintritt verwehrte. Natürlich macht er daraus einen rein schwulen Vergnügungspark…

Wie gesagt: Die Story selbst ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger sind die vielen Anspielungen und Zitate. Allerdings muß man dafür den Film im Original anschauen (und verstehen), weil die deutsche Übersetzung (auch als Untertitel) so rein gar nicht taugt. Und außerdem muß man sich doch gut genug auskennen, um alle Anspielungen zu verstehen. Zum Beispiel, wenn Björk mal ausnahmsweise keinen toten Schwan trägt, sondern Coco Chanel… also, den Leichnam derselbigen um den Hals geschlungen. Auch Liz Taylor, Michael Jackson, Conan O’Brien (der sich im übrigen selbst spricht) und viele andere bekommen ihr Fett ab.
Wenn man alles versteht, dann ist es wirklich witzig. Und selbst bei wiederholtem Ansehen entdeckt man wieder etwas Neues. Wenn man sich den Film auf Deutsch ansieht und viele der Hintergründe nicht kennt, dann ist er zwar immer noch witzig, aber 3/4 der Komik entgehen einem völlig.
Weitere Gastsprecher sind David Duchovny, Tim Curry und Mark Hamill. Kaum zu erkennen ist der Sänger des Titelsongs: RuPaul!

Also, im Prinzip extrem witzig. Aber in 70-minütiger Fassung fast schon zu viel des Guten. Lieber in kleinen Häppchen genießen, auch die einzelnen Episoden von früher bei Icebox ansehen oder mal bei Youtube etwas umschauen…

Boys Grammar

boys-grammar.jpgBoys Grammar

Aus, 2005
Regie: Dean Francis

Trailer

Gareth ist Schüler an einer elitären Privatschule in Australien. Offensichtlich ist er in seinen Mitschüler Nick verliebt. Der sendet entsprechende Signale, daß er die Gefühle erwidert. Aber als er beim Umkleiden nach dem gemeinsamen Schwimmen in Gareth‘ Sachen einen Bildband mit nackten Männern findet, entlarvt er ihn als Schwulen und stachelt seine Kumpels auf. Zu fünft vergewaltigen sie gemeinsam Gareth mit einem Holzdildo. Gareth will von der Schule abgehen, doch sein Vater – nach dem Motto „Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker!“ – besteht darauf, daß er auf der Schule bleibt und eben solche „Lektionen fürs Leben“ lernt. Zu allem Überfluss lädt er auch noch Nick zum Abendessen ein. Schließlich geht Gareth auf Nick los, verprügelt ihn und dann liegen sie sich in den Armen…

Hm, ein sehr verwirrender und verstörender Film. Mein erster Gedanke war „Hä?!?“. Mein zweiter Gedanke: „What the fuck???“ – Aber nach nochmaliger Betrachtung und ein bißchen Recherche über die Hintergründe, bekommt der knapp 8-minütige Kurzfilm doch einen Sinn. – Er beruht auf einer wahren Begebenheit; eigentlich wahrscheinlich auf vielen wahren Begebenheiten, aber einer ganz besonders: In der Trinity Grammar School in New South Wales wurde vor einiger Zeit ein Fall bekannt, bei dem 10 Schüler einen Mitschüler terrorisierten und mit einem großen hölzernen Dildo, den sie im Werkunterricht extra für diesen Zweck angefertigt hatten, mehrfach vergewaltigten. Obwohl Lehrer Bescheid wußten, wurde nichts dagegen unternommen. Erst auf Druck der Medien wurden drei der Täter von der Schule geworfen und die Schule auf Wiedergutmachung verklagt.

So wie in diesem Fall werden tagtäglich Schüler an solchen Privatschulen drangsaliert, sexuell bedrängt und vergewaltigt. Von Lehrern und Eltern – die oft selbst Schüler solcher Schulen waren – wird dies stillschweigend geduldet. So steigert sich nach der Vergewaltigung die Brutalität des Films noch durch die Ignoranz und Gefühllosigkeit des Vaters, der die Gewalt gegen seinen eigenen Sohn als wichtigen Schritt zum Erwachsenwerden hinnimmt, wenn nicht gar unterstützt. Er hat eigentlich kein Problem mit der Homosexualität seines Sohnes, sondern eher mit der Furcht, der Junge könnte verweichlicht sein. Männliche Sexualität darf sich nur in Aggression und Gewalt ausdrücken. Und so wird letztendlich auch toleriert, daß der Sohn schließlich auf seinen Vergewaltiger einprügelt und die Szene dann in einer tröstenden, liebevollen bis sinnlichen Umarmung zwischen Täter und Opfer endet. Wobei die Frage offen gelassen wird, ob damit der Kreislauf der Aggressivität durchbrochen wird oder ob Gareth letztendlich in den (aggressiven) Kreis der „Erwachsenen“ aufgenommen ist.

Jedenfalls sind es acht Minuten Film, die noch einige Stunden zum Nachdenken anregen!

TV-Tipps: Walk on Water und Windhunde

walkonwater.jpg

Und wenn wir schon bei „Gehern“ sind….

Heute, 12.12.2007

auf BR

um 23.50 Uhr

 

„Walk on Water“

 

 

Beschreibung gibt’s hier! – Meine Meinung: Nicht besonders schwul, aber auf jeden Fall sehenswert!

 

Und danach gleich umschalten auf

3 SAT

denn dort kommt um 1.35 Uhr

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Robert Altmans

„Windhunde“

Nach dem Bühnenstück von David Rabe inszenierte Altman 1983 diesen Film über vier jugendliche Soldaten in der Ausbildung kurz vor ihrer Verschickung nach Vietnam.  Zwei von ihnen kommen sich sexuell näher…

Wer einen Anti-Kriegsfilm wie „Full Metal Jacket“ erwartet, wird enttäuscht werden. Stattdessen wird viel geredet und getrunken und geredet. Altman hat den Bühnencharakter der Vorlage erhalten; der Film spielt sich an zwei Tagen eines Wochenendes ab und der Schlafsaal in der Kaserne bleibt einziger Handlungsort.

Für Theaterliebhaber und Freunde des  Charakterkinos sicherlich sehenswert!

Walker

Paul Schrader wird bald seinen vierten Film der „lonely man“-Reihe (Taxi Driver, American Gigolo, Light Sleeper) vorstellen: The Walker. Wie in den vorherigen Filmen wird es um einen Callboy gehen, und wie schon die anderen drei hat er ein anderes Ziel. Er ist weniger fürs Bett als für die Damen der feinen Gesellschaft in der Öffentlichkeit. Er ist eben ein „Walker“, ein Begleiter.

Spielen wird diese Rolle Woddy Harrelson. Warum er keine Promotion macht? Scheinbar weil ihm die schwule Rolle zu wenig „komisch“ war. Einen unlustigen Schwulen spielen? Pfui!

Der Regisseur:

Yeah. His agent told me he doesn’t like himself in it. I think he wanted the character to be a little more fey than I did, a little more comically fluffy, and I didn’t see the character that way.

Was gibt es noch spannendes an dem Film? Naja, Moritz Bleibtreu spielt mal wieder den Lover der schwulen Hauptfigur. Irre ich mich, oder wurde er damit nicht in „Stadtgeflüster“ bekannt?

I think the relationship of Woody and Moritz is probably the weakest thing in the film. What I was more concerned with was the social world and that relationship with the Kristen Scott Thomas character, which is so full of sadness and yearning and loss. That interested me more than Carter and his boyfriend. So I guess, unlike Brokeback, where Ang Lee set out to make a film about a male romance… I made a film about this guy and his relationship to these dames. That was my main interest.

Jippiee… und wieder ein Regisseur (aka Darsteller in anderen Versionen), der das „schwule“ nicht sehen will. Wie ja bei Brokeback… es geht ja nur um die allgemeingültige Liebe. Das schwule wollen wir nicht. Zwar nen Schwulen Film, aber keine Schwulen drin. Oder umgekehrt. Oder…

Ich hab Kopfschmerzen.

TV-Tipp: Hundstage

Heute, 09.12.2007

um 20.40 Uhr

zeigt

arte

„Hundstage“

 

So ein Zufall, daß ich gerade eine Beschreibung dazu geschrieben habe… 😉